Segeln lernen – Abenteuer Ostsee #1

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Tropfend nass steige ich aus meinem Neoprenanzug, der vor ein paar Sekunden noch wie eine zweite Haut an mir klebte. Heute waren das Boot, das Meer und ich – im wahrsten Sinne des Wortes eine Einheit. Niemals hätte ich mir ansatzweise vorstellen können, wie viel Spaß es macht, ein Boot absichtlich im Meer zu versenken. Mein heutiger Tag war nämlich wie eine Version des Spiels Schiffe versenken, nur in lebensecht. Bevor hier jetzt bei einigen von euch die Alarmglocken läuten und ihr mich für eine kriminelle Piratin haltet, die heimlich Boote klaut und sie danach in der Ostsee versenkt – ihr müsst jetzt nicht die Küstenwache rufen. Ich spiele in meiner Freizeit weder Johnny Depp als Pirat Captain Jack Sparrow (auch wenn das ziemlich cool wäre), noch möchte ich ein weiteres Schiffswrack auf unserem Meeresboden verrotten sehen. Also „Entwarnung“ – ich mache gerade nur einen Segelkurs. Für Anfänger. Diesen Zusatz halte ich für extrem wichtig und möchte ihn hier nicht verschweigen, weil ich nicht möchte, dass ihr mir mehr Expertenwissen und Erfahrung zutraut, als ich bisher erlangt habe.
 So jetzt ist die Katze aus dem Sack und ich denke, ihr habt es erraten – heute möchte ich eine neue Blogpostreihe starten und euch von meinen bisher erlebten Segelerfahrungen erzählen. Wer weiß – vielleicht sehen wir uns dann ja bald schon auf dem Wasser …

Segeln – wie kommt`s?
Ich hatte mir schon seit langem vorgenommen Segeln zu lernen, unter anderem war dies schon mein Wunsch, als ich noch in Rostock wohnte. Damals fehlte mir aufgrund meines Studiums aber schlichtweg die Zeit für ein solches Vorhaben. Eine Aspekt, der sich mittlerweile jedoch geändert hat. In diesem Sommer lautet mein Motto nämlich „Weniger studieren, das müssen die Professoren akzeptieren. Sonne und Meer müssen sein – ich mach jetzt den Segelschein“. Bitte entschuldigt diesen armseligen Versuch zu reimen, ich schäme mich gerade wirklich für mich selbst. Eine Dichterin ist scheinbar nicht an mir verloren gegangen und ja – auch ich habe gemerkt wie Goethe sich gerade im Grabe umgedreht hat *lacht*.

Wo lerne ich Segeln?
Ich mache meinen Segelschein am Segelzentrum meiner Universität. Eine Tatsache, weshalb ich meine Studentenstadt und Uni noch mehr liebe. Studieren und dabei das Meer direkt vor der Nase zu haben – etwas Schöneres kann ich mir kaum vorstellen.

Wie tief musste ich ins Portemonnaie greifen?
Der Anfängerkurs kostet mich zarte 130 € für ca. 50 Stunden. Derzeit mache ich nämlich einen Kurs, der sich über das komplette Sommersemester zieht und einmal pro Woche stattfindet. Das Boot, eine Schwimmweste und das nötige Segelequipment werden vom Segelzentrum meiner Universität gestellt. Meine einzigen Anschaffungen, bevor der Kurs begann, waren somit lediglich ein Neoprenanzug und rutschfeste Neoprenschuhe. Ein Neoprenanzug ist bei einem Anfängerkurs zum Segeln zwar nicht unbedingt nötig – außer bei zu intensivem Meerwasserkontakt – doch da ich noch plane Kitesurfen zu lernen, erschien mir die 100 € Investition für meinen Neo sehr sinnvoll. Mal ganz abgesehen davon – dass ich darin wahnsinnig sportlich aussehe. Was soll ich sagen – ich bin halt immer noch eine Frau, die Mode liebt.

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Tasche packen – was muss mit?
Auf dem Weg zu meinen allerersten Segelterminen hätte ich am liebsten jedes Mal ein Muli oder wenigstens einen starken Mann dabei gehabt. Ehrlich – meine Sporttasche war jedes einzelne Mal gefühlte 50 kg schwer. Ihr kennt doch den Spruch „wer schön sein will muss leiden“ – in diesem Fall kann ich diese Weisheit guten Gewissens zu: „wer vorbereitet sein will – muss schleppen“ ändern. In meiner Segeltasche (die ich als motivierte Segelschülerin so vorbildlich wie möglich packen wollte) befanden sich anfänglich nämlich: Ein Duschhandtuch, Wechselkleidung, Neoprenanzug, Neoprenschuhe, meine Sonnenbrille, Segelhandschuhe (verhindern ungewollte Schwielen an den Händen), ein Vorhängeschloss für den Spind und last, but not least Sonnencreme mit dem Lichtschutzfaktor 50. Zusammen mit einigen Fettpölsterchen, die dank des Schleppens meiner 100 kg Tasche schneller als ein Eis in der Sonne wegschmolzen, ging dank der Sonnencreme also auch mein Traum von sonnengebräunter Haut in Luft auf. Aber lieber bin ich weiß wie Schnee, als Hautkrebs zu riskieren oder mit Mitte 30 auszusehen wie eine Lederhandtasche, die ihre besten Zeiten bereits hinter sich hat.

Meine erste Segelstunde – Knotenkunde und Grundschüler-Gefühl
Im Segelzentrum angekommen, lernten meine Freundin Marie (wir machen den Kurs gemeinsam) und ich zuerst unsere „Mitschüler“ (genial, ich fühle mich wieder wie in der Schule) und unsere sympathischen Segellehrer Nils und Moritz kennen. Als dann ging es an die erste theoretische Lernlektion: Knotenkunde! Wenn ihr denkt, es würde reichen, dass man sich erfolgreich die Schuhe zubinden kann – weit gefehlt. Seemannsknoten sind eine echte Wissenschaft für sich, zumindest für eine unerfahrene Landratte wie mich. Demzufolge kam es auch, wie es kommen musste – Moritz drückte mir ein Tau in die Hand, zeigte mir einen Knoten, der sich Palstek nennt, und erzählte dabei irgendetwas von einer Schlange, die sich um einen Baum windet und dann in einem kleinen Teich verschwindet. Schon von der ersten Sekunde seiner Vorführung an hatte ich riesige Fragezeichen in den Augen. Aber dann – nach zahlreichen Malen, die meine Tauschlange wahrscheinlich im Teich ertrank, gelang mir endlich der erste Durchbruch. Ein erfolgreicher Palstek, bei dem jeder Rodeo Cowboy vor Neid erblasst wäre. Stolz und mit einem Gefühl von Triumph in den Adern zeigte ich mein Werk Moritz. Seine Reaktion – super dann kommen wir jetzt zum Achtknoten, Kopfschlag und Rundtörn mit zwei halben Schlägen. Ich dachte mir nur noch – Knoten, die klingen wie eine SM-Praxis, jeder Bondage Fan kommt beim Segeln scheinbar voll auf seine Kosten. 
Nachdem ich mein Wissen in Sachen Knoten ins unermessliche gesteigert hatte, gingen wir zu Tageslektion 2 über: Segel zusammenfalten. Ich bin sicher, Moritz fühlte sich in dem Moment, als würde er als Lehrer für Erstklässler das Alphabet unterrichten. Nachdem wir alle unser Großsegel und unsere Fock (kleines Vorsegel) adrett wie beim Militär, Kante auf Kante zusammengelegt hatten, kam der große Moment: raus zu den Booten! Innerlich jubelnd schnappte ich mir eine Schwimmweste und machte mich mit Marie, samt Segelzubehör, auf nach draußen an den Steg. Da schwappte sie sanft im Wasser Hin und Her – unsere Jolle. Boot im Wasser. Wir auf dem Steg. Planlos. Bis auf die Tatsache, wie wir uns auf die Jolle begeben, hatten wir von Nichts eine Ahnung. Weder Marie noch ich waren bis dato jemals Segeln gewesen. Gut, das Moritz uns erst einmal zeigte, wie wir das Boot klar zum Segeln machen mussten. Nach seiner Vorführung – gingen wir ans Werk und was bei Moritz eine Sache von 5 – 10 Minuten gewesen war, erstreckte sich bei uns über eine halbe Stunde. Die ganze Zeit über schauten wir uns ratlos um und stellten die gleichen Fragen. Welcher Knoten sollte noch einmal ans Großsegel? Oh nein – der Palstek. Woran sollte noch einmal die Reffleine befestigt werden? KEINE AHNUNG!

Maxirock | Segelboot | Sommer | türkis | Strand | MeerMeer und Wellen

Du wirst die Welt niemals richtig genießen, bis nicht das Meer durch deine Adern fließt, dich der Himmel zudeckt und die Sterne dich krönen.

Thomas Traherne

Segeln lernen | Segelboot | Wassersport | Anfängerkurs | Laboe | Meer | Jolle | Yacht | Canon Eos 70D

Maxirock: H&M | Pullover: | Weste: SHK | Sonnenbrille: Ray Ban Aviator | Sandalen: Tamaris | Tasche: Graceland | Kette: Bijou Brigitte

Lies alles über meine Eindrücke aus der zweiten Segelstunde und zum Thema Windgeschwindigkeit und Segelkurse.
Kuss | Kiss

  1 Kommentar für “Segeln lernen – Abenteuer Ostsee #1

  1. 1. August 2016 at 18:19

    Sau cooler Bericht! Ich würde auch so gern mal segeln lernen, ich war mal mit der Schule in Holland segeln, aber hab leider das meiste schon wieder vergessen :D mein Freund ist außerdem begeisterter Segler und Seefahrer, aber leider wohnen wir nicht im Meer. Äh am Meer. :D Bodensee und Ostsee ist schon ein großer Unterschied und naja, die Zeit fehlt bisher auch! Aber hat mir total Spaß gemacht deine erste Erfahrung zu lesen und Lust auf Meer und Segeln gemacht! Falls du Segel Videos anschauen magst, kann ich dir Sailing La Vagabond und SV Delos auf YouTube empfehlen, die machen sowhl informative Segelvideos als auch über ihr Segelleben (also Insel Hopping, Ozean Überquerung, Touri Sachen, etc.)

    Liebe Grüße
    Jasmin von nimsajx.blogspot.de

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