Ready for departure – das Bewerbungsverfahren zur Flugbegleiterin #stewardess3

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Auch in meinem heutigen Beitrag dreht sich noch einmal alles um meine Erfahrungen, die ich als Flugbegleiterin gesammelt habe. Einen Einblick darüber, wie ich zu dem Beruf kam, sowie meine Erlebnisse aus dem Flugbegleiter-Alltag habe ich ja bereits in meinen letzten zwei Beiträgen mit euch geteilt. Heute soll es jedoch noch um ein weiteres, wie ich finde ebenfalls sehr spannendes Thema gehen. Das Bewerbungsverfahren zur Flugbegleiterin. Ich absolvierte bereits zwei solcher Assessments bei zwei renommierten Airlines erfolgreich. Aus diesem Grund möchte ich allen Interessierten unter euch ein paar hilfreiche Tipps mit auf den Weg geben. Und für den Fall das ihr nicht Flugbegleiter werden wollt, sind einige der Ratschläge, die ich im Folgenden geben werde, sicherlich auch für andere Bewerbungsgespräche nützlich.

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Erste Schritte von zu Hause aus
Um euch als Flugbegleiter/in zu bewerben, ist es nötig, eure Bewerbung an die entsprechende Airline zu senden. Bei der Lufthansa ist dies direkt online über ein Bewerbungsportal möglich, bei anderen Airlines sendet ihr eure Bewerbungsmappe einfach mit der Post. In die Mappe gehören unter anderem euer Lebenslauf, mit einem schönen Bewerbungsfoto und euer Abschlusszeugnis. Die beiden Airlines, bei denen ich mich bewarb, setzen eine abgeschlossene Schul- und/oder Berufsausbildung voraus. Außerdem ist für die Einstellung zur Flugbegleiterin ein Mindestalter von 18 Jahren vorgesehen.
Des Weiteren gehört ein Motivationsschreiben zur Bewerbung. In diesem schreibt ihr auf eine Din A4 Seite, warum ihr diesen Job machen wollt und dafür geeignet seid. Zur Bewerbung gehört auch ein Ganzkörperfoto, denn so leid es mir tut und so oberflächlich das auch erscheint, leider achten die meisten Fluggesellschaften noch sehr auf die Erscheinung ihrer Stewardessen. Da die Gänge im Flieger sehr eng sind und sich Flugbegleiter häufig am Trolley noch einmal seitlich vorbeischieben müssen, achten Airlines auf die Proportionen der Bewerber/innen.
Bei einigen Airlines kommt es auch noch auf eure Körpergröße an, die Lufthansa setzt beispielsweise 1,60m Körpergröße voraus. Zu schummeln bringt leider auch nichts, denn bei meinen Auswahltagen wurden Bewerber die kleiner erschienen tatsächlich nachgemessen. Warum die Körpergröße so wichtig ist? Weil Stewardessen die Hatracks (Gepäckfächer) an Bord schließen können müssen und manche Behälter im Galley (Bordküche) sehr weit oben verstaut sind.

Online Tests und Telefoninterview
Bei diesem Punkt geht es insbesondere um die Lufthansa. [Ich weiß nicht ob andere Airlines solche Tests auch veranstalten]. Zusätzlich zum Einreichen eurer Bewerbungsunterlagen müsst ihr bei der Lufthansa noch eine Reihe von Onlinetests absolvieren. Für die Flugbegleiterbewerbung sind das vor allem der Wortschatztest, Englischtest und der Test zur Arbeitssituation. Sprachliche Fähigkeiten und ein sicherer, freundlicher Umgang mit dem Kunden sind für einen Flugbegleiter nämlich essenziell. Kein Wunder also, dass euch die Airline da vorher was diese Skills betrifft auf Herz und Nieren prüft. Keine Sorge, ihr könnt vor der Bewerbung aber schon über das Online-Test-Training für die Tests üben. Das ist eine wirklich nette Sache, die es zu meiner Bewerbungszeit noch nicht gab.
Das Telefoninterview habe ich im Speziellen auch nur bei der Lufthansa erlebt. Falls da jemand Erfahrungen bei anderen Airlines gemacht hat, wäre ich erfreut, wenn der/diejenige einfach einen Kommentar unter dem Beitrag hinterlässt. Im Grunde handelt es sich dabei nur um ein lockeres und kurzes, etwa 10-15 Minuten dauerndes Gespräch. Nach ein paar Minuten wechselt ihr beim Reden ins Englische. Ich musste damals nur ein bisschen was über mich erzählen. Wo ich Englisch gelernt habe, wie oft ich Englisch spreche, was ich so unternehme … Also macht euch keine Sorgen, das Telefonat ist eigentlich keine allzu große Schwierigkeit! Auch hierfür hat die Lufthansa ein Beispielvideo veröffentlicht.

Der Assessment Tag
Um den Assessment Tag kommt ihr bei keiner Airline drum herum. Das ist sozusagen euer persönliches Bewerbungsgespräch. Nur mit dem Unterschied, dass dieses Assessment einen halben Tag dauert. Ich musste für meine Auswahltage damals nach Frankfurt und Zürich reisen. Um entspannt bei der Airline aufzutauchen, bin ich daher schon einen Tag vorher in diese Städte gefahren und habe im Hotel übernachtet. Denkt vor der Abfahrt unbedingt daran alles was ihr für das Assessment benötigt einzupacken. Ich denke da besonders an euer Bewerbungsoutfit, Make-up, Wasser und eure Bewerbungsunterlagen (ja – diese Unterlagen solltet ihr noch einmal dabei haben).
Der Tag selbst war bei beiden Airlines, bei denen ich mich bewarb, etwas unterschiedlich.
Airline 1: Zu allererst wurde ein Englischtest geschrieben. Wenn ich mich richtig erinnere, war das ein Lückentest, bei dem fehlende Wörter in der richtigen Zeitform ergänzt werden mussten. Auf diesen Test hatte ich mich vorher gut vorbereitet, indem ich Fliegerei-spezifische Vokabeln lernte und sämtliche meiner DVDs zuvor in Englisch schaute. Ich wollte mich einfach perfekt ins Englische hineindenken, denn das ist nun einmal die Sprache in der Fliegerei. Daher wird ein fließendes Englisch auch bei jeder Airline gefordert.
Danach ging es zur Gruppenarbeit. Dabei sollten wir in einer Gruppe (ca. 5 Bewerber arbeiteten gemeinsam) ein Gastgeschenk für Fluggäste entwerfen. Klar ging es dabei nicht um das Geschenk an sich, sondern darum die Teamfähigkeit der Bewerber zu testen. Als Flugbegleiter/in ist Teamfähigkeit nämlich eine absolute Voraussetzung. Bei diesem Test habe ich nicht die Führungsrolle übernommen, aber auch nicht wie ein stilles Mäuschen alles abgenickt, was die Anderen vorschlugen. Ich habe eigene Vorschläge gebracht und mich integriert. Eins meiner Gruppenmitglieder war sehr ruhig und hatte noch nicht ein einziges Wort geäußert. Da habe ich sie kurzerhand angesprochen und nach ihrer Meinung gefragt. Also bitte merken: Teamarbeit ist sehr wichtig!
Als Nächstes ging es in ein persönliches “Vieraugengespräch”. Häufig sitzen da Psychologen vor einem, also lügt bitte nicht, dass sich die Balken biegen. Versucht natürlich zu sein, auch wenn ihr aufgeregt seid. Ein selbstsicheres, souveränes auftreten ist essenziell. Dabei wurden mir sehr typische “Bewerbungsgespräch-Fragen” gestellt. Ich sollte meine Stärken und meine Schwächen nennen und erzählte etwas über meine Hobbys. [Zu erwähnen, dass ihr gerne reist und keine Stubenhocker seid ist an dieser Stelle sicherlich empfehlenswert.] Außerdem wurde ich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte mich bei einer anderen Airline zu bewerben, falls es hier nicht klappt usw. Zum Unternehmen selbst wurde ich nichts gefragt, hatte aber auch diese Informationen selbstverständlich vorher gut recherchiert und mir eingeprägt. Denn ich finde es gibt nichts Schlimmeres als im Bewerbungsgespräch zu sitzen und dann auf Anfrage keine Ahnung von der Firma zu haben. Also – vorher immer gut informieren!
Dann folgte noch ein kurzes Rollenspiel, bei dem die Psychologin einen unzufriedenen Gast mimte. Ich war in dieser Situation die Flugbegleiterin und sollte das Problem lösen. Nach dem Rollenspiel wollte die Psychologin noch von mir wissen, was ich besser hätte machen können oder ob ich zufrieden mit mir selbst war.

Airline 2: Dieses Assessment lief etwas anders ab, als das bei der anderen Airline. Hier sollte zuerst jeder Bewerber in einem 5-minütigen Monolog auf Englisch etwas erzählen. Ich habe es geschafft, andere füllten gerade mal eine Minute. Also auch solche Aufgaben solltet ihr nicht unterschätzen. Danach schrieb jeder Bewerber entweder in Englisch oder Französisch einen Aufsatz darüber, welches Familienmitglied sein Vorbild sei. Das hat mir komischerweise echt Spaß gemacht.
Nach dem Aufsatz folgte auch hier ein privates Bewerbungsgespräch. Wieder mit den üblichen Fragen. Nach dem Gespräch ging es dann auch schon in die letzte Runde des Tages, der Gruppenarbeit. Die lief bei dieser Airline aber etwas anders ab. In einer Gruppe aus 4-5 Bewerbern wurde ein Rollenspiel veranstaltet, wobei alle Bewerber jetzt auf einmal Flugbegleiter waren und sich um einen Gast kümmern sollten. Selbstverständlich hatte auch dieser wieder ein Problem *lacht*.

Ihr seht also, auch wenn die Assessments bei beiden Fluggesellschaften unterschiedlich abliefen, hatten sie dennoch dasselbe Ziel. Die Sprachkenntnisse und Teamfähigkeit, sowie Freundlichkeit der Bewerber/innen zu prüfen.

Das richtige Bewerbungsoutfit
Hier kann ich euch auf jeden Fall einen wichtigen Tipp geben: Schminkt euch. Als Flugbegleiterin seid ihr das Aushängeschild der Firma. Ihr habt als Stewardessen den direkten Kontakt zum Kunden. Daher ist ein gepflegtes Äußeres für die Airlines sehr wichtig. Ein natürliches Make-up würde ich daher definitiv empfehlen. Wenn ihr euch sonst nicht gerne schminkt, ist das kein Problem, aber Lippenstift ist essenziell! Auf den solltet ihr auch bei der Bewerbung nicht verzichten.
Sichtbare Tattoos oder Piercings sind leider gar nicht gerne gesehen. Piercings solltet ihr also besser entfernen und Tattoos abdecken, wenn möglich. Später, in Uniform müssen Tattoos komplett versteckt werden können.
Zum Bewerbungsoutfit selbst ist nur wichtig, dass ihr euch darin wohlfühlt. Ich mag zum Beispiel keine Blazerjacken und Hosenanzüge. Daher würde ich mir diese Sachen auch nie zu einem Bewerbungsgespräch anziehen. Für andere sind diese Teile wahrscheinlich wieder die erste Wahl. Wichtig ist also nur, dass ihr gepflegt und gut gekleidet ausseht.
Ich trage beispielsweise immer einen schwarzen Bleistiftrock, High Heels und eine farbige Bluse zu Bewerbungsgesprächen. Wie mein Outfit zu den Assessments genau aussah, werde ich euch in Kürze auf meiner Facebook-Seite zeigen.
Die Haare hatte ich halb offen. Ungefähr so wie auf diesem Bild.

Erfolgreich beworben – und dann?
Falls eure Bewerbung erfolgreich war, wird euch die Airline kurz darauf informieren. Ich hatte den positiven Bescheid meist schon nach zwei Tagen im E-Mail Postfach. Danach musste ich nur noch zur medizinischen Untersuchung und der Ausbildung zur Flugbegleiterin stand nichts mehr im Weg.
Zur Ausbildung selbst wird es in Zukunft noch einen weiteren Beitrag auf Septemberkuss geben.

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Jumpsuit: G-Star [ähnlich]| Heels: Max Shoes | Armband: Six
Shooting-Ort: Flugplatzmuseum Cottbus

Ich hoffe, dass ich euch ein paar nützliche Informationen zum Bewerbungsverfahren geben konnte. Über Fragen und Kommentare freue ich mich natürlich jederzeit.
Ich drücke allen Bewerbern und Bewerberinnen die Daumen!
Kuss | Kiss

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